Nathan der ***

Abraumhalde

Im Dezember kommt die nächste Produktion des Stuthe in den Theatersaal Irchel

Angaben Reservation und Schutzkonzept folgen demnächst.

Die diesjährige Frühlingsproduktion des Studierenden Theaters Zürich betrachtet Lessings Olymp der Aufklärung „Nathan der Weise“ durch die Linse von Elfriede Jelineks Sekundärdrama „Abraumhalde“. Gestützt auf Lessings unsterbliche Sprache erzählen wir Nathan ́s Geschichte in den Wirren von Religionskriegen und Kreuzzügen. Unverrückbar im Kanon der deutschsprachigen Schulliteratur verwurzelt, bleibt der Klassiker ein sprachliches Meisterwerk des humanistisch-europäischen Kulturraumes. Doch wie steht es mit unseren kulturellen Werten? Wieviel Gehalt ist Toleranz, Menschenrechten und Gleichstellung noch zuzubilligen? Jelinek führt mit Wertesystemen wie Religion, freier Marktwirtschaft und Humanismus einen radikalen Realitätsvergleich durch und endet mit der Herkulesaufgabe unserer Generation. Gleichheit, Toleranz und nicht zuletzt die Menschenrechte halten den gesellschaftlichen Realitäten nicht mehr stand. Wieviel sind uns die Menschenrechte in chinesischen Umerziehungslagern wert, wenn sie gegen wirtschaftlichen Profit aufgewogen werden? Wieviel Toleranz können wir uns in Zeiten von Populismus, omnipräsentem Antisemitismus und Rassismus noch leisten? Die Geschichte wiederholt sich. Das wissen wir. Es wird uns tagtäglich in der Schule, in den Medien und unserem Umfeld gesagt. Aber was bedeutet das? Es bedeutet, dass der zweite Weltkrieg nicht im Deutschunterricht aufhört. Es bedeutet, dass Antisemitismus und der Missbrauch von Schwächeren älter ist, als unser humanistisches Kulturgut. Der Holocaust liegt nicht nur in unserem europäisch kulturellen Gedächtnis, er ist Teil von uns. Tagtäglich müssen wir mit unserer Geschichte umgehen, sie immer wieder demaskieren und aushalten, dass täglich das Murmeltier grüsst. Was ist nun Jelineks Herkulesaufgabe, mit welcher sie uns und euch liebes Publikum zurück lässt? Jelinek sagt, dass jedes Wertesystem, so auch der Humanismus irgendwann von der Realität entleert und getreulich auf die Halde gelegt wird. Was bleibt dann? Was bleibt vom Menschen wenn Werte, Identifikation und Grundstock jedwede Berechtigung verloren haben?

Produktionbeschrieb

Die Produktion findet unter der künstlerischen Leitung von Andy Kirk (Raumkonstellation), David Schwegler (Dramaturgie), Silvan Anesini (Musik) und Friederike Karpf (Regie) statt. Fünf Menschen aus unterschiedlichsten Studiengängen, mit verschiedenster Theatererfahrung spielen, demaskieren und aktualisieren in „Abraumhalde“ unsere heutigen Wertevorstellungen. Tatkräftig mit im Boot sitzen auch einige der Mitglieder des Herbstproduktionsensembles. Sie schmeissen die Bar, machen die Werbung, suchen nach Sponsorenund schicken unsere Bewerbung an verschiedenste Festivals.

Stuthe

Das Studierendentheater ist ein unabhängiger Verein, welcher jedes Jahr ein bis zwei Produktionen selbstständig über die Bühne bringt. Wir machen alles selber, vom Bühnenbildbau bis zur Sponsorensuche. Wie auch in den bisherigen Produktionen des Studierenden Theaters Zürich stand die Mitwirkung jedweden immatrikulierten Studierenden an einer ZürcherHochschule offen. Wir fällen unsere Entscheidungen in Diskussion in der Vollversammlung und stimmen über Beschlüsse ab.Jede und Jeder hat eine Stimme und kann das Vereinsgeschick mitprägen und beeinflussen.

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