2014 – Der Balkon

Der Balkon (1957)

Jean Genets „Der Balkon“ spielt in einem Bordell mit eben diesem Namen. Seine Betreiberin, Madame Irma, nennt es ein Haus der Illusionen: „Meine Aufgabe besteht darin, den Saal zu vermieten und die Requisiten, die Schauspieler und Schauspielerinnen zur Verfügung zu stellen.“

Da ist zum Beispiel die Bankerin, die Richter sein möchte und einer falschen Diebin Prügel androhen lässt. Oder der Kunde, der als grosser General den Heldentod sterben will und ein Mädchen braucht, das seine stolze Stute ist. Aber es dauert nicht lange, bis die Schauspiele in den Salons mit der Realität aneinander geraten.

Als nämlich der Königspalast in die Luft fliegt, drängt sich die Aussenwelt gewaltsam in die Räume des Balkons. Revolutionäre wollen das System stürzen und schlagen es dabei mit den eigenen Mitteln: Dem Symbol der Königin setzen sie ein eigenes Bild entgegen, das von Chantal. Früher war sie eines der Mädchen im Haus der Illusionen, jetzt treibt sie die Revolutionäre zum Plündern und Töten an.

Die Vertreter des Staates sind niedergemetzelt oder haben sich aus dem Staub gemacht, der Polizeichef versteckt sich im Bordell. Das Königreich ist nicht mehr zu retten. Oder doch? Wenn der echte Richter vor Angst gestorben ist, so schnappt man sich halt den falschen aus dem Salon. Und als Königin ist Madame Irma prompt besser als das Original.

So gehen die Spiele im Bordell in die politischen Spiele über und was nun Theater oder echt ist, weiss bald keiner mehr. Jean Genet hat eine bitterböse Satire auf das Staatswesen in Zeiten der Massenmedien verfasst, die heute noch zielgenauer ins Schwarze trifft als zur Zeit der Uraufführung. In der Gesellschaft, die er beschreibt, kommt es nicht darauf an, was man ist, sondern was man darstellt. An erster Stelle steht nicht die Person oder das Amt, sondern das Bild, das sich das Volk davon macht. Wer diese Bilder beherrscht, der hat die Macht im Staat. Und das gilt für die Vertreter des Systems ebenso wie für dessen Gegner: Den Regeln des Spiels kann sich am Ende keiner entziehen.

Spiel: Dominik Beck, Dominik Büeler, Lilith Hausherr, André Hillers,  Annina Hunnziker, Silvana Klauser, Melanie Koller, Alexandra Maximova, Gregor Schenker,  Anna Reusch und Judith Wieck

Regie: Alex Grob Assistenz: Luise Arn
Bühnenbild: Rahel Hochstrasser
Kostüme: Alexandra Maximova Assistenz: Melanie Koller
Dramaturgie: Daniel Marti und Gregor Schenker
Licht & Ton: André Hillers, Markus Forbrig, Stefan Pfister
Produktionsleitung: Dominik Beck

Website des Zürcher Studierendentheater